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Basiswissen

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 IPO-Grundlagen
 

Die neu-deutsche Kurzformel IPO stammt - wie sollte es anders sein - aus dem Englischen und steht für "Initial Public Offering", was so viel bedeutet wie "erstmaliges öffentliches Angebot". Das "Angebot" bezieht sich auf Aktien eines Unternehmens, das zum ersten mal einer breiten Öffentlichkeit die Gelegenheit gibt sich an der Gesellschaft zu beteiligen. Damit verbunden ist in der Regel die Ausgabe (Emission) neuer Unternehmensanteile, die mittels einer Kapitalerhöhung geschaffen werden - weswegen sich im deutschen Sprachgebrauch der Begriff "Neuemission" durchgesetzt hat.

Aus Sicht des Unternehmens gibt es eine Vielzahl möglicher Gründe für eine solche Kapitalerhöhung und die damit verbundene Platzierung von Aktien. Im Kern geht es darum, frisches Kapital für die Umsetzung unternehmerischer Ziele zu gewinnen. Denkbar sind die Finanzierung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, der Aufbau eines Vertriebsapparates, die Eröffnung neuer Zweigstellen im In- und Ausland oder geplante Übernahmen. Möglich ist aber auch, dass eine Gesellschaft mit dem zufließenden Kapital schlicht seine Schulden bezahlen will oder neue, bislang noch gar nicht existierende Geschäftsbereiche aufbauen will. So oder so handelt es sich um eine der möglichen Finanzierungsformen des Unternehmens und nicht selten geht es dabei um die Finanzierung von aussichtsreichen aber riskanten Plänen, für die keine Bank einen Kredit geben will. Dessen muss sich der Anleger, der eine neue Aktie zeichnet, stets bewusst sein.

Transparenz und Liquidität

In den meisten Fällen folgt auf die Emission die Einführung der Aktien in den Börsenhandel. Das ist allerdings nicht zwingend. Im Zuge der allgemeinen IPO-Euphorie melden sich auch häufig kleine Unternehmen zu Wort, die ihre Anteile an das breite Publikum verkaufen wollen, aber nicht unmittelbar eine Börseneinführung planen. In diesen Fällen spricht man von vorbörslichen Platzierungen oder Pre-Ipos. Nicht selten wird dabei mit besonders hohen Gewinnchancen geworben, die einsetzen sollen, wenn zu einem späteren Zeitpunkt die Einführung in den Börsenhandel erfolgt. Dies mag in manchen Fällen zutreffen, trotzdem sollte der unkundige private Anleger solche Emissionen meiden, da sie mit erhöhten Risiken verbunden sind. Diese zusätzlichen Risiken lassen sich grob in die zwei Kategorien "fehlende Transparenz" und "fehlende Liquidität" zusammenfassen:

  • Da es keine offizielle Börsennotierung gibt, können die Aktien nur über spezialisierte Telefonhändler ge- und verkauft werden. Wer seine Aktien verkaufen will, muss also damit rechnen, dass es bisweilen Tage oder auch Wochen dauern kann, bis er einen Käufer findet, der ihm die Anteile abnimmt. Theoretisch ist dies auch bei börsennotierten Werten denkbar, kommt aber in der Praxis gerade bei neuen Börsenunternehmen nur in seltensten Fällen vor.

  • Noch gravierender ist der Aspekt der Transparenz. Gesellschaften, die nicht an der Börse notiert sind, unterliegen folglich auch nicht den Regularien der Börse. Das heißt beispielsweise, dass sie keine Zwischenergebnisse bekannt geben müssen, an denen der Anleger frühzeitig erkennt, ob das Unternehmen seine Ziele erreichen kann oder nicht. Hinzu kommt, dass es in den seltensten Fällen eine kritische, unabhängige Prüfung durch Dritte gibt, da sich in der Regel weder Bankanalysten noch Presse mit diesen Unternehmen beschäftigen.
Zum Teil gelten die vorgenannten Risiken auch für Unternehmen, die eine Börsennotierung im sogenannten "Freiverkehr" aufnehmen. Auch hier liegen die Anforderungen an Transparenz und Liquidität weit unter denen anderer Segmente.

Zeichnung und Bookbuilding

Die Frankfurter Wachstumsbörse und die Vielzahl der dort durchgeführten Ipos bilden allerdings auch die Grundlage für das gewachsene Interesse an Neuemissionen. Zurückzuführen ist dies auf die häufig zu beobachtenden Kurssprünge der Newcomer im Anschluss an die Börseneinführung. Dies verhilft denen, die bei der Emission gezeichnet haben nämlich oftmals (aber bei weitem nicht immer !!!) binnen wenigen Stunden oder Tagen zu imposanten Kursgewinnen.

Als "Zeichnung" wird der Kauf der neuen Aktien unmittelbar vor der Einführung in den Handel bezeichnet. In der Regel werden über mehrere Tage die Zeichnungsaufträge gesammelt, wobei geprüft wird, welchen Preis die Anleger zu zahlen bereit sind. Das am häufigsten verwandte Verfahren zur Ermittlung des Ausgabe- oder Emissionspreises ist das "Bookbuilding". Hierbei geben die Banken, die das jeweilige Unternehmen an die Börse führen ("Konsortialbanken") eine Preisspanne vor, innerhalb der Zeichnungsaufträge akzeptiert werden. Je nach Nachfrage wird dann der Preis ermittelt und den Anlegern werden entsprechend ihrer Order Aktien zugeteilt.

Da das Kontingent der zum Verkauf stehenden Aktien beschränkt ist, werden die Stücke bei hoher Nachfrage verlost oder aber nach einem "First-Come-First-Serve"-Prinzip (frei übersetzt: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst"). In einigen wenigen Fällen behalten sich die Unternehmen und ihre Konsortialbanken auch vor einen Preis oberhalb der zuvor genannten Bookbuilding-Preisspanne festzusetzen, weswegen es ratsam ist auch bei Zeichnungsaufträgen ein Limit abzugeben, bis zu welchem Preis maximal gekauft werden soll. Damit werden unliebsame Überraschungen vermieden.

Eine Alternative zum Bookbuilding-Verfahren ist das Festpreis-Prinzip. Hierbei wird von vornherein ein Ausgabepreis festgesetzt den der Anleger akzeptieren kann oder eben nicht. Das Festpreisverfahren wird vor allem bei Emissionen im Freiverkehr gerne genutzt. Andere Verteilungsformen, wie etwa die "Versteigerung" von Anteilen gegen Höchstgebot haben sich in der Praxis bislang nicht bewährt und sind deshalb höchst selten zu beobachten.

Einführung in den Börsenhandel

Auf die Zeichnungsphase und die Zuteilung folgt die Einführung in den Börsenhandel und damit die Stunde der Wahrheit. Erst jetzt zeigt sich nämlich, ob die jeweilige Aktie auch am Markt gut ankommt und ob der Zeichner zu beneiden oder zu bedauern ist. Wer sich im Vorfeld ausreichend mit dem Unternehmen beschäftigt hat und an die langfristige Strategie glaubt, kann die ersten oft turbulenten Tage getrost vergessen. Wer indes auf kurzfristige Zeichnungsgewinne spekuliert, der ist jetzt gefordert. In der Regel zeigt sich sehr schnell, ob eine Aktie steigt oder nicht. Je nach persönlicher Neigung kann der Anleger jetzt Gewinne ganz oder teilweise mitnehmen oder aber - im Falle eines Absackens des Kurses - die Reißleine ziehen und wieder aussteigen.

Eine Indikation für den zu erwartenden Kursverlauf der ersten Tage liefern die im "Telefonhandel per Erscheinen" von Maklern ermittelten Kurse. Diese organisieren schon während der laufenden Zeichnung einen Handel mit den neuen Aktien, wobei die Stücke erst dann ausgeliefert werden, wenn sie tatsächlich an der Börse verfügbar sind. Daher der Zusatz "per Erscheinen". Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Hohe Kurse im Telefonhandel deuten zwar auf Zeichnungsgewinne hin, eine Garantie liefern aber auch diese nicht. Das betrifft insbesondere das Ausmaß der erhofften Zugewinne. In vielen Fällen pendelt sich der erste Börsenkurs auch bei erfolgreichen Emissionen zwischen den hohen Telefonhandelskursen und dem angesetzten Ausgabepreis ein.

Für alle anderen die gerne gezeichnet hätten, aber keine Zuteilung bekommen haben, empfiehlt sich an den ersten Tagen Zurückhaltung. Wer am ersten Börsentag kauft gehört nicht selten zu den Verlierern, da der Aktienkurs nach der ersten Begeisterung häufig wieder deutlich zurückfällt, bevor er sein "normales" Börsenleben beginnt. 


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Unterstützung von Reuters zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen zu IPOs, Aktien und Research finden Sie auch direkt unter www.reuters.de 

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