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 Vorsicht Werbung! - Zur Bewertung von IPOs
 

Die Zeiten, in denen beinahe jede Neuemission ein Erfolg wurde und den Zeichnern satte Gewinne garantierte sind längst vorbei. Schlimmer noch - die vergangenen Jahre haben auch gezeigt, dass eine Aktie auch direkt nach der Börseneinführung deutlich unter den Emissionskurs absacken kann und zwar zum Teil erheblich. Auch wenn auf Seiten der Unternehmen in der Regel ein "schwaches Börsenumfeld" als Grund für einen solchen Flop angeführt werden dürfte, liegt auf der Hand, dass die tatsächliche Ursache in vielen Fällen ganz offensichtlich ein überhöhter Emissionspreis gewesen ist.

Emissionspreis orientiert sich an der "Peer Group"

Dass es zu solchen überteuerten Emissionen kommt, kann viele Ursachen haben und auch das vielzitierte Börsenumfeld spielt dabei natürlich eine wesentliche Rolle. Vor allem auch deshalb, weil die Ermittlung des Emissionspreises neuer Aktien sich an der Bewertung vergleichbarer bereits börsengelisteter Unternehmen orientiert. Wenn die Aktien in der sogenannten "Peer-Group" an der Börse zum Zeitpunkt der Emission hoch im Kurs stehen , kann auch der Neuling auf eine hohe Bewertung, sprich einen hohen Verkaufspreis seiner Aktien hoffen. Sind die Börsenkurse der Vergleichswerte dagegen auf Tauchstation, dann werden die Anleger auch dem neuen Vertreter kaum ein hohes Kursniveau zubilligen. Deutlich wird dies an dem "wellenartigen" Emissionsverhalten.

Wenn der Vertreter einer bestimmten Branche an der Börse Erfolg hat und kräftig Kursgewinne erzielt, dann dauerte es in den vergangenen Jahre nicht lange, bis andere Akteure derselben Branche nachrückten. Und zwar in der Regel solange, bis der Trend kippt und der jeweilige Sektor an der Börse in Ungnade fällt. Beispiele hierfür gibt es zur Genüge. Exemplarisch sei nur die Welle von Medienunternehmen am Neuen Markt genannt, die sich an den von EM.TV ausgelösten Boom anhängten. Seit dem der ehemalige Börsenliebling zum Buhmann geworden ist und die Kurse der Medienwerte reihenweise zusammenbrachen, drängt es kaum noch einen Vertreter dieser Branche an die Börse.

Branchen, die "in Mode" sind, bergen Gefahren für Anleger

Aus Sicht des Anlegers birgt die Zeichnung bei Unternehmen aus einer Branche, die gerade "en vogue" ist erhebliche Risiken. Wenn sich die Bewertung der Nachrücker an der aktuellen Börsenbewertung von Pionieren orientiert, die in den Wochen und Monaten zuvor gewaltige Kurssprünge vorgelegt haben, dann sind die gleichen Kursgewinne bereits im Emissionspreis vorweggenommen. Das heißt, an der Börse droht eher ein Rückschlag als eine Wiederholung der Erfolgsgeschichte. Das war nicht immer so.


In den Anfangsjahren des Neuen Marktes wurde bei der Preisermittlung von neuen Gesellschaften häufig die Bewertung der Peer-Group-Unternehmen zum Zeitpunkt der Emission (also VOR dem Höhenflug !!) mit berücksichtigt. Davon sind die meisten Konsortialbanken inzwischen aber bedauerlicherweise abgekommen.

Bewertungsabschlag verlangen

Wie sehr der IPO-Markt auf bestimmte "Mode-Themen" setzt, wird auch an den jeweiligen Werbekampagnen zum Börsengang deutlich. In der Hochphase der Internet-Manie stellte jeder Neuling seine Online-Aktivitäten in den Vordergrund, egal ob diese im realen Geschäft bedeutsam waren oder nicht. Nach dem Ende des Booms wurden die gleichen Internet-Strategien nur noch mit Nebensätzen bedacht.

Nicht viel anders stellt sich die Situation bei der Wahl des Börsensegments dar. Drängte in der Boomphase jeder Börsenkandidat an den Neuen Markt, so wählten die Neulinge nach dem Kursdebakel des Jahres 2000 das vermeintliche seriösere Smax-Segment. Dabei richtete sich der Fokus darauf, dass in der Vergangenheit sogar schon Gewinne erzielt wurden - als ob dies eine ungeheuerliche Leistung wäre. De facto gibt es an der Börse aber schon jetzt Hunderte von Gesellschaften, die Gewinne erzielen und die zudem schon seit vielen Jahren vor Aktionären und Öffentlichkeit Rechenschaft über ihr Tun ablegen müssen. Soll heißen: die Verlässlichkeit ihrer Prognosen ist einschätzbar. Ein Faktum, dass bei Börsenneulingen - natürlich - noch nicht gegeben ist. Dies allein ist Grund genug, von neuen Unternehmen einen Bewertungsabschlag gegenüber bereits notierten Unternehmen zu verlangen.

Vorsicht ist also angebracht. Anleger, die bei einem Börsenkandidaten einsteigen wollen, sollten sehr kritisch prüfen, was hinter den Hochglanz-Broschüren steckt. Das gilt sowohl für kleinere und bislang unbekannte Unternehmen, als auch für renommierte Konzerne - denn die vergangenen Jahre haben auch gezeigt, dass ein großer Name nicht vor bösen Überraschungen schützt. Allein auf das gewinnende Lächeln von Thomas Gottschalk oder Manfred Krug zu vertrauen, zahlt sich nicht immer aus.


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Unterstützung von Reuters zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen zu IPOs, Aktien und Research finden Sie auch direkt unter www.reuters.de 

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