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 Fundamental und technisch: Aktienanalyse mit Zahlen
 

In den Hauptversammlungsrunden gab es bei vielen Aktiengesellschaften ein sich durchziehendes Thema: den Wechsel von Inhaber- zu Namensaktien. Neben den traditionell Namensaktien-ausgebenden Unternehmen der Versicherungsbranche, wie Allianz und Münchener Rück, setzen immer mehr andere Aktiengesellschaften darauf: Deutsche Bank und Dresdner Bank, Siemens, Epcos, Lufthansa, DaimlerChrysler und die Telekom.

Damit verfügen 10 DAX-Werte, also genau ein Drittel der Titel im wichtigsten deutschen Börsenbarometer, über Namensaktien. Aber auch kleinere Werte wie Celanese oder Deutsche Wohnen gehen diesen Trend mit. Jürgen Blitz, Vorstandschef der Deutschen Börse Clearing, erwartet im nächsten Jahr 80% der DAX Titel als Namensaktie: "In fünf Jahren sind sie bei deutschen Aktiengesellschaften Standard wie in der angelsächsischen Finanzwelt."

Inhaberaktien sind nur noch in wenigen Ländern Standard: beispielsweise in Deutschland und in den Niederlanden. Bei Inhaberaktien bleiben die Anteilsbesitzer anonym, die Aktiengesellschaft kennt ihre privaten Eigentümer nicht.

Unternehmen, die ihre Aktien international platzieren wollen, brauchen allerdings Namensaktien . Dabei sind Namensaktien Anteilsscheine, die auf den Namen des Besitzers - einer natürlichen oder juristischen Person - lauten


Weltweit handelbar

Die Vorteile der Namensaktien für die Unternehmen: Ihre Aktien können weltweit an Börsen gehandelt werden. Allen voran ist in Amerika diese Aktienform so genannte "Registered Shares Standard". Eine Forderung der amerikanischen Börsenaufsicht SEC. Deutsche Aktiengesellschaften, die mit Inhaberpapieren an die Wall Street gingen, wie etwa Daimler-Benz oder SAP, mussten damals mit dem so genannten "American Depositary Receipts" (ADRs) einen mühsamen juristischen Umweg wählen. Mit Namensaktien wird also das Listing vor allem an der NYSE erleichtert. Zudem ist die Aktie unter der gleichen Wertpapierkennnummer weltweit an jeder Börse handelbar. Damit dürfte die globale Namensaktie die Aktie der Zukunft sein.

Mehr noch: Sie sind nach Meinung vom Leiter des Deutschen Aktieninstitutes Dr. Rüdiger von Rosen die "Voraussetzung für eine effektive Investor-Relations-Arbeit". Denn mit Namensaktien sind die Aktionäre nun direkt ansprechbar. Im Gegensatz zu der bislang üblichen Inhaberaktie, bei der Besitzer namentlich nicht bekannt sind. Dagegen ist eine Namensaktie auf den Namen einer bestimmten natürlichen oder juristischen Person ausgestellt. Zudem muss bei Namensaktien nach deutschem Recht ein Aktienbuch mit Angaben über Name, Wohnort und Beruf geführt werden. Damit haben die Aktiengesellschaften ein umfangreiches Informationsmedium an der Hand. Denn das Verzeichnis klärt über Aktionäre auf, zeigt Veränderungen in der Aktionärsstruktur und bietet damit auch Schutz vor feindlichen Übernahmen.

Offene Fragen

Durch die auf Basis von Namensaktien zusammengestellte Liste der Eigentümer können Aktiengesellschaften eine neue Qualität der Investor-Relations-Arbeit betreiben. Namentlich bekannte Aktionäre können direkt zur Hauptversammlung eingeladen werden. Direkter Kontakt und Informationsaustausch mit Geschäfts-, Quartalsberichten und Aktionärsbriefen ist außerdem möglich. Anlegergruppen werden im Aktienbuch ersichtlich, die mit unterschiedlichen Intentionen und Kommunikationsformen direkt angesprochen werden können.

Wolfram Schmitt, Leiter der Abteilung Investor Relations im Deutsche Bank-Konzern, kann nun alle über 600 000 private Eigner schnell aus dem Computer ziehen: "Wir können unsere Aktionäre jetzt viel gezielter ansprechen." Weiter Armin Niedermeier, Pressesprecher bei der Deutschen Bank: "Für uns ist es wichtig, dass wir bestimmte unternehmenspolitische Entscheidungen unseren Anteilseignern selbst erklären können."

Fraglich ist aber, ob die Anleger wirklich einen Nutzen haben. Oft dürfte es sich um Selbstdarstellungen des Managements oder - bei sinkenden Kursen - um Durchhalteparolen handeln.

Fortschritt durch Technik

Das neue Gesetz zur Namensaktie und zur Erleichterung der Stimmrechtsausübung - Namensaktiengesetz (NaStraG), das Ende Januar 2001 in Kraft getreten ist - dürfte den Namensaktien auch zu einer weiten Zustimmung unter den Aktionären und den Aktionärsschützern verhelfen. Deren Kritikpunkte - etwa, die Frage des "gläsernen Aktionärs" - sind weitgehend berücksichtigt.

Die Renaissance der Namensaktie hat auch technische Gründe. Bislang waren mangelnde Fungibilität , also die Handelbarkeit gleichartiger Stücke, und die Synchronisierung von Aktiendepot und Aktienbuch problematisch. Die neue Cascade-VNA-Software des Zentralverwalters Deutsche Börse Clearing AG ermöglicht nun eine Vernetzung des Systems mit den elektronisch geführten Aktienbüchern. Namensaktien werden in die Girosammelverwahrung genommen und Daten über Kauf und Verkauf dieser Aktien mit Depotbanken und Emittenten ausgetauscht. Vergangenheit ist deswegen die aufwendige Übertragung per Indossament. Realität statt dessen eine übliche Umbuchung des Miteigentumsanteils. Heute ist ein Besitzerwechsel binnen weniger Minuten automatisch eingetragen.


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Unterstützung von Reuters zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen zu IPOs, Aktien und Research finden Sie auch direkt unter www.reuters.de 

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